Ernährungsbedingte Risiken bei Pferden: Fettlebersyndrom

Fettlebersyndrom bei Ponys und anderen Equiden

Ursprünglich ist es eine wertvolle Fähigkeit, bei Bedarf die eigenen Fettreserven zügig mobilisieren zu können. Auf diese Weise gelang es während der Evolution, genügend Energie für das Überleben in schwierigen und futterarmen Situationen zur Verfügung zu haben. Unter den Equiden, also den Pferdeartigen, sind Ponys und Esel besonders gut dazu in der Lage, Fettreserven schnell als Energiequellen zu reaktivieren.

Genau diese Fähigkeit kann allerdings übergewichtigen Pferden, Ponys und Eseln heutzutage zum Verhängnis werden. Stresssituationen und Hungerphasen wie beispielsweise bei langen Transporten, Schwergeburten oder Krankheiten (Darm- oder Zahnerkrankungen u.a.) können es auslösen: das Fettlebersyndrom, eine lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung, von der vor allem weibliche übergewichtigen Ponys und Esel, aber auch andere leichtfuttrige Equiden mit großen Fettreserven betroffen sein können.

Was passiert beim Fettlebersyndrom?

Wenn aufgrund äußerer Bedingungen, zu denen auch Stress in der Gruppe gehören kann, weniger Futter aufgenommen wird oder wenn der Energiebedarf eines Tieres aufgrund von Krankheit oder anderen Belastungen besonders hoch ist, dann kann es zu einer negativen Energiebilanz kommen. Das Tier verbraucht aus den unterschiedlichsten Gründen mehr Energie, als es aufnimmt. Wenn die kurzfristig verfügbaren Energiereserven im Körper - vor allem das Glykogen in Leber und Muskulatur - verbraucht sind, dann beginnt der Körper, seine Fettreserven zu mobilisieren (Lipolyse). Dabei gelangen freien Fettsäuren in die Blutbahn. Die Leber synthetisiert aus diesen freien Fettsäuren sogenannte Triglyceride und andere Energieträger, die über das Blut im Körper verteilt werden, um Energie für das Gehirn, die Muskulatur und andere lebensnotwendige Funktionen zu liefern.

Wenn allerdings zu viele Triglyceride in der Leber gebildet werden, via Blutkreislauf im Körper unterwegs sind (Hyperlipämie, nicht zu verwechseln mit Hyperlipidämie), aber nicht als Energielieferanten verbraucht werden, dann lagert sich dieses Fett in der Leber und anderen Organen ein. Das wiederum schädigt die Leber, die sich zur Fettleber entwickelt, oder beispielsweise die Nieren.

Normalerweise verhindert ein gesunder Insulinstoffwechsel die Entstehung einer Hyperlipämie. Das Insulin hemmt einerseits die Freisetzung von Triglyceriden aus dem Fettgewebe. Zum anderen aktiviert es Enzyme, die die Aufnahme von Triglyceriden in die Fettzellen fördern. Passt das zusammen, bleibt der Triglyceridgehalt im Blut normal. Wenn aber das Insulin – unter anderem wegen chronischer Entzündungsprozesse im Fettgewebe – bei manchen Pferden und Ponys nicht mehr ausreichend wirken kann, dann entsteht die problematische Hyperlipämie. Genau diese Situation, also eine reduzierte Insulinempfindlichkeit des Organismus, liegt beim Equinen Metabolischen Syndrom vor und führt am Ende unter anderem zu Verfettung der Leber und anderer Organe. Die Fetteinlagerung wiederum löst aus, dass die betroffenen Organe schlechter arbeiten und die Tiere erkennbar krank werden.

Wie äußert sich ein Fettlebersyndrom?

Betroffene Tiere wirken müde und abgeschlagen, fressen schlecht und nehmen je nach Zustand der Nieren weniger oder vermehrt Wasser auf. Außerdem können eine leichte Gelbsucht (z.B. erkennbar an einer gelblichen Verfärbung des Augenweißes), Durchfall, Kolikanzeichen und Ödeme auftreten. Bei schweren Schädigungen der Leber kommen weitere Anzeichen dazu, die mit dem immer stärkeren Organversagen zusammenhängen. Das kann von einer Bewusstseinseintrübung bis zu plötzlichen Todesfällen wegen Kreislaufversagen oder wegen einer Leberruptur reichen.

Was kann man therapeutisch tun?

Ob einem Tier mit einem Fettlebersyndrom geholfen werden kann, hängt stark davon ab, dass man das Problem frühzeitig erkennt und das Pferd oder den Esel schnell wieder zum Fressen bringt. Das Ziel ist, die negative Energiebilanz aufzuheben und die überschießende Fettmobilisierung zu stoppen. Hilfreich ist es, wohlschmeckende Futtermittel wie frisches Gras, Möhren und anderes einzusetzen. Bei sehr schweren Fällen kann es notwendig sein, Glukoselösungen intravenös zu verabreichen und Insulin zu injizieren. Außerdem gehört natürlich dazu, den auslösenden Faktor, wie beispielsweise den Stress in der Herde oder Erkrankungen, abzustellen.

Wenn das Tier schon länger nicht gefressen hat, dann kann auch ein medikamentöser Magenschutz notwendig werden. In längeren Hungerphasen greift die Magensäure die Magenschleimhaut an und löst dort eine Entzündung (Gastritis) aus. Von größter Bedeutung ist allerdings die Vorbeugung.

Vorbeugen hilft

Um einer Hyperlipämie und damit der Entstehung einer Fettleber vorzubeugen, ist es entscheidend, deutlich übergewichtige gefährdete Pferde, Ponys und Esel langsam (!) abnehmen zu lassen. Dazu gehören eine angepasste Fütterung (hauptsächlich energiearmes Raufutter), ein umfangreiches Bewegungstraining, die Vermeidung von Stress und Hungerphasen. und viel Geduld. Eine Reduktion um 1-2% der Körpermasse pro Woche sollte das Ziel sein, muss aber über einen längeren Zeitraum durchgehalten werden. Denn: Will man eine zu schnelle Gewichtsreduktion erzwingen, dann löst man genau die Stoffwechselentgleisung aus, die man verhindern wollte.

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