Equines Sarkoid

Equines Sarkoid

Sarkoide können bei allen Pferdeartigen, also auch bei Eseln, Mulis und Zebras, bei allen Pferderassen und in allen Altersklassen vorkommen. Es werden sechs verschiedene Typen von Sarkoiden unterschieden. Sarkoide können einzeln oder als Ansammlung von Tumoren auftreten. Die Größe der Tumore variiert stark. Sarkoide zählen zu den sogenannten semi-malignen Tumoren. Das bedeutet vor allem, dass sie üblicherweise nicht wie bösartige Tumoren in andere Organe streuen und Metastasen verursachen. Weil Sarkoide aber je nach betroffener Körperstelle, dem Ausmaß der Tumorbildung und der Art des Wachstums massive Beschwerden und Schäden bei den Tieren verursachen, lassen sie sich ebensowenig zu den gutartigen Tumoren rechnen. Außerdem können aus zunächst harmlos wirkenden Sarkoiden mit oder ohne äußeren Anlass aggressive und problematische Tumore entstehen. Schließlich neigen Sarkoide dazu, nach Behandlungen erneut zu wachsen und sogenannte Rezidive zu bilden.


Wie entsteht Equines Sarkoide

Für die Entstehung von Sarkoiden gibt es mehrere begünstigende Faktoren. Dazu zählen unter anderem Infektionen mit bestimmten Viren, die bei Rindern Warzenbildung auslösen können. Auch wenn diese Viren nicht der alleinige Auslöser für Sarkoide sind, sollte die Übertragung dieser Rinderpapillomaviren von Pferd zu Pferd möglichst verhindert werden (z.B. Putzzeug nicht verwechseln).

Zudem kennt man genetischen Faktoren bei Pferden, die beispielsweise die Funktion bestimmter Immunzellen beeinflussen, und damit zur Tumorentwicklung beitragen.

Einen konkreten Auslöser für das veränderte Wachstum der Bindegewebszellen, aus denen die Tumoren hauptsächlich bestehen, und die genauen Entstehungsmechanismen der verschiedenen Sarkoid-Formen kennt man allerdings noch nicht. Klar ist jedoch, dass durch unsachgemäße Behandlungen und Verletzungen von Sarkoiden rasch aggressivere Tumorvarianten entstehen können. Dies gilt auch für Sarkoide, die zunächst langsam wachsen und unauffällig erscheinen.


Die verschiedenen Sarkoid-Typen

Nach der Art des Wachstums und der Form der gebildeten Tumore unterscheidet man sechs Sarkoid-Typen:

Okkulte (verborgene) Sarkoide: Sie sind relativ unauffällig, wachsen langsam und treten als leicht verdickte Hautstelle mit schuppiger Haut auf, die zunehmend kahl und dunkel pigmentiert ist. Betroffen sind vor allem der Bereich um die Augen und das Maul der Pferde, der Hals, die Innenseite der Gliedmaßen, die Achselhöhlen, die Leistengegend und die Vorhaut.

Verruköse (warzige) Sarkoide: Diese ebenfalls langsam wachsende Tumorvariante bildet warzen- oder blumenkohlartige Verdickungen mit breiter oder stielartiger Verbindung zur Haut. Solche Sarkoide treten an ähnlichen Stellen wie die okkulten Sarkoide auf, darüberhinaus aber auch am Kronsaum.

Noduläre Sarkoide: Dabei handelt es sich um knotige, feste Tumore, die bei Irritationen schnell ein aggressiveres Wachstum entwickeln. Sie treten häufig in der Augengegend, an der Vorhaut und im Leistenbereich auf.

Fibroblastische Sarkoide: Diese Tumorvariante ist charakterisiert durch Geschwürbildung, also offene Wunden, und Krusten. Solche Sarkoide entstehen auch bei Verletzungen der vorher genannten Sarkoidtypen.

Maligne Sarkoide: Diese aggressiv wachsenden Tumore treten vor allem im Gesichtsbereich, in den Achselhöhlen und auf der Innenseite der Oberschenkel auf. Meist besteht ein Zusammenhang zu wiederholten Verletzungen anfänglicher Tumore. Maligne Sarkoide wachsen rasch und tief in das umgebende Gewebe einschließlich der Lymphbahnen hinein. Trotz der Bezeichnung als bösartig verursachen auch sie keine Fernmetastasen.

Gemischte Sarkoide: Diesen Tumoren bestehen aus Gewebearten, die sich mehreren der zuvor genannten Typen zuordnen lassen.

Die Diagnose von Sarkoiden, einschließlich der Unterscheidung der Varianten, ergibt sich zunächst aus dem klinischen Bild, also aus dem, was sich ohne weitere Eingriffe erkennen lässt. Will man genauere Informationen über eine Hautveränderung oder die Art eines Tumors erhalten, kann eine Gewebeprobe entnommen werden. Dies sollte allerdings nur stattfinden, wenn zuvor klar ist, dass anschließend eine sachgerechte umfassende Behandlung stattfindet. Andernfalls kann die Entnahme einer Gewebeprobe dazu führen, dass aus zunächst milden Sarkoidvarianten aggressivere Wachstumsformen entstehen.


Differenzialdiagnosen

Nicht jede Hautveränderung oder -verdickung beim Pferd stellt ein Sarkoid dar. Hautveränderungen, die vor allem als kahle oder entzündete Stelle in Erscheinung treten, können unter anderem durch Bakterien oder Hautpilze verursacht werden. Bei warzenförmigen Veränderungen kann es sich auch um echte, durch pferdespezifische Papillomaviren verursachte Warzen handeln. Immer wieder führen auch kleinere Verletzung mit nachfolgenden bakteriellen Infektionen zu Knoten in der Haut von Pferden. Außerdem gibt auch andere Tumore in der Haut, wie beispielsweise bösartige Melanome, die selteneren gutartigen Fibrome oder Plattenepithelkarzinome.


Behandlungsmöglichkeiten bei Sarkoiden

Zur Behandlung von Sarkoiden wurden laut Angaben von Experten bereits über 40 Herangehensweisen beschrieben. Allerdings wurden viele dieser Therapievorschläge nie fachlich geprüft, beziehen sich auf Einzelfälle und können durch Verletzungen der Tumore zur Verschlechterung der Hautveränderung beitragen.

Grundsätzlich kann man fünf Gruppen von Therapieansätzen unterscheiden, wobei häufig erst die Kombination von Verfahren das Risiko von Tumorrezidiven, also das rasche Wiederauftreten des Tumors, merklich senkt.

Chirurgie

Das Herausschneiden von Sarkoiden stellt eine bekannte Herangehensweise dar. Allerdings kommt es danach bei der Hälfte der Fälle zu Rezidiven. Grund dafür sind einzelne verbliebene Tumorzellen, die zu neuen Tumoren heranwachsen. Verbessern lässt sich das Resultat, wenn ein ziemlich großer Rand um den Tumor herum mitentfernt werden kann und begleitend eine lokale Chemotherapie oder eine Strahlentherapie stattfindet.

Der klassischen Chirurgie ähnelt die Kryotherapie, also die Zerstörung der Hautveränderung durch Kälte. Allerdings treten dabei lange Wundheilungszeiten auf.

Auch das Abbinden von Sarkoiden ähnlich wie bei Warzen wird immer wieder propagiert. Es beinhaltet allerdings das Risiko, dass dabei nicht der ganze Tumor entfernt wird, weshalb unbedingt vorher geklärt werden muss, woraus die Verbindung zwischen Tumor und umgebender Haut besteht.

Chemotherapie

Bei diesem Verfahren werden mehrfach Chemotherapeutika direkt in den Tumor injiziert oder aufgetragen, was zur Verkleinerung der Tumore führt.

Strahlentherapie

Bei der Strahlentherapie wird ein Implantat, dass radioaktive Strahlen freisetzt, direkt im Tumorbereich eingesetzt. Diese Methode gilt zurzeit als das erfolgreichste Verfahren, ist aber nur an wenigen Orten verfügbar. Auch Strahlentherapie mit externer Strahlenquelle wird erfolgreich eingesetzt.

Lokale Behandlung

Es gibt diverse Vorschläge zur lokalen Behandlung von Sarkoiden, einschließlich vieler medizinisch nicht begründeter Ideen (Zahncreme als Therapeutikum u.Ä.).

Es existieren allerdings auch Salben, deren Inhaltsstoffe nachweislich zur Verkleinerung von Sarkoiden beitragen können. Solche Salben sind zurzeit in Deutschland nicht auf dem Markt und müssten als Rezepturarzneimittel für einzelne Tiere hergestellt oder aus dem Ausland bezogen werden.

Aciclovir, ein bekannter Wirkstoff in Salben gegen Herpesviren, dem zunächst eine hervorragende Wirksamkeit gegen Sarkoide nachgesagt wurde, hat sich in einer größeren Studie als unwirksam herausgestellt.

Immuntherapie

Es gab und gibt diverse Bemühungen, durch Impfungen oder immunmodulierende Methoden eine Verkleinerung von Sarkoiden zu erreichen. Keines der vorgeschlagenen Verfahren hat sich bisher als zuverlässig und ausreichend ungefährlich erwiesen, auch wenn in Einzelfällen gute Ergebnisse erzielt wurden.

 

Was Tierhalterinnen und Tierhalter beachten sollten

Vor allem die drei folgenden Aspekte sollten Tierhalterinnen und Tierhalter in Betracht ziehen:

  • Je früher ein Sarkoid erkannt wird, umso besser lässt sich damit umgehen. Sarkoide sind kein rein kosmetisches Problem, sondern eine echte Tumorerkrankung. Deshalb empfiehlt es sich, anstelle von diversen wechselnden Therapieversuchen eine längerfristige Strategie gemeinsam mit dem Tierarzt oder der Tierärztin festzulegen. Dazu gehört auch die Frage, welche Behandlungsmöglichkeiten für einen Besitzer in Betracht kommen, welche Therapien kombiniert werden sollten und welche Aussichten die jeweiligen Verfahren haben. Um die bestmögliche Strategie für das einzelne Tier zu entwickeln, arbeitet die Pferdeklinik Maichingen eng mit dem britischen Experten Dr. D. Knottenbelt, emeritierter Professor der Universität Liverpool, und dessen Diagnostikteam zusammen.

  • Wegen der Gefahr, dass durch Verletzungen von zunächst langsam wachsenden Sarkoiden aggressivere Varianten entstehen, sollten unnötige und unsachgemäße Manipulationen an den Hautveränderungen unterbleiben.

  • Auch nach einer erfolgreichen Tumortherapie können bei einem betroffenen Tier neue Sarkoide an anderen Stellen entstehen, weil die Prädisposition, d.h. die begünstigenden Faktoren für Sarkoide, bestehen bleibt.

Zusammenfassend gilt für Sarkoide, dass es in manchen Fällen heilsamer ist, nichts gegen diese Tumore zu unternehmen, anstatt falsche Manipulationen vorzunehmen. Leider existieren noch keine aussagekräftigen Marker, um abschätzen zu können, wie sich ein vorhandenes Sarkoid entwickeln wird. Eine konsequente Beobachtung der Tumorentwicklung kann durchaus eine angemessene Vorgehensweise sein, auch wenn immer damit gerechnet werden muss, dass sich das Tumorverhalten unerwartet und schnell verschlechtern kann.

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